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Gerste

Die Gerste ist eine der wichtigsten Getreidesorten, sie gehört zur Gattung Hordeum der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die Ähren sind dichtbehaart und die Gerstenkörner sind von Spelzen umgeben. Die Pflanzen werden etwa 70 bis 120 cm groß und wachsen ausgesprochen gut auf feuchten Böden. Gerste ist dennoch sehr anpassungsfähig und ermöglicht so gute Erträge in vielen Klimaregionen und bei unterschiedlichen Bodenbedingungen.

Herkunft der Gerste

Die ältesten Hinweise auf Gerste gehen bis 10.500 v. Chr. zurück. Als ursprüngliche Anbaugebiete gelten dabei der vordere Orient und die östliche Balkanregion. Etwa seit der Jungsteinzeit (5.500 v.Chr.) wird Gerste auch in Mitteleuropa angebaut, damals wurde Gerste gern als Viehfuttermittel eingesetzt. Durch Züchtungen gelang es die Gerste auch bei anspruchslosen Bodenverhältnissen ertragreicher zu machen. Inzwischen können die Erträge mit denen des Weizens mithalten.

Sommer- und Wintergerste

Man unterscheidet bei der Gerste nach dem Zeitpunkt der Aussaat und Ernte zwischen Sommer- und Wintergerste. Die Wintergerste wird im September gesät und im Frühjahr des darauffolgenden Jahres geerntet. Im Vergleich dazu wird die Sommergerste im Frühjahr ausgesät und dann nach etwa drei Monaten im Sommer geerntet. Meist handelt es sich bei der Wintergerste um die ertragreichere Gerstenart, da im Winter mehr Feuchtigkeit im Boden ist und die Pflanzen zu besser gedeihen. Je nach Anbaustandort ist bei der Sommergerste mit Erträgen von 40-60 dt/ha und bei der Wintergerste mit 50-90 dt/ha zu rechnen.

Anbaubedingungen

Gerste gedeiht am besten auf recht feuchten Böden, kommt aber auch mit anspruchslosen Bodenbedingungen klar. Durch die gute Anpassungsfähigkeit der Gerste kann diese in vielen Regionen der Erde angebaut werden. Gerste ist jedoch weniger winterfest als etwa Weizen oder Roggen.

Verwendung der Gerste

Ein Großteil der Sommergerste wird für die Bierherstellung genutzt, da hier der Eiweißanteil gering ist (unter 9 Prozent). Braugerste ist eine besondere Gerstensorte, welche sich durch einen größeren Stärkekörper mit gleichzeitig geringem Eiweißgehalt auszeichnet. Dies schafft die optimale Voraussetzung für die Entwicklung eines hohen Maltose-Anteils während des Maischprozesses, der in weiterer Folge auch die Höhe des Alkohol-Gehalts im Bier bestimmt.

Whisky unterteilt sich in Malt Whisky, Grain Whisky sowie Blended Whisky. Der Kenner gibt dem Malt Whisky, welcher ausschließlich aus gemälzter Gerste hergestellt wird, in jedem Fall den Vorzug. Hochwertiges Gerstenkorn und der professionelle Mälzvorgang haben dabei einen starken Einfluss auf Qualität von Gerstenmalz und Whisky.

In Form von Malzkaffee erfreut sich Gerstenmalz immer wieder großer Beliebtheit. Die Stärke wird dabei beim Mälzen, durch einen enzymatischen Prozess, in Malzzucker umgewandelt, welcher bei der Röstung karamellisiert und dem Kaffee seinen typisch aromatischen Geschmack verleiht.

Für den menschlichen Verzehr wird Gerste häufig zu Grieß, Graupen oder Mehl weiterverarbeitet. Mit der Verwendung von gerösteter Gerste, „Tsampa“ genannt, beweist Tibet schon lange, dass das Getreide ein nährstoffreiches Grundnahrungsmittel ist. Auch unsere Bäcker erinnern sich der Vorzüge und verwenden ein spezielles Gerstenmehl mit hohem Beta-Glucan-Gehalt zur Herstellung von Brot, welches zur Senkung des Cholesterin-Spiegels beitragen kann.

Tierfuttergerste wird gequetscht häufig an Pferde verfüttert. Entweder weil Hafer nicht für alle Pferde verträglich ist oder einen Vitamin- und Kalziummangel hervorrufen kann. Im Winter verhindert der Zusatz von Gerste im Futtermittel einen unerwünschten Gewichtsverlust. Besonders die Wintergerste eignet sich dafür hervorragend, da sie relativ viel Eiweiß enthält (zwischen 12 und 15 Prozent).